Adrian Stern am Rock for Children in Baden

Lange mag das Publikum am Konzert von Adrian Stern nicht auf dem Boden sitzen bleiben. Nach vier Songs entschliessen sich einige aus der ersten Reihe, aufzustehen und mitzutanzen.

Weiter hinten bleibt einem nichts anderes übrig als es ihnen gleich zu tun, wenn man noch etwas von der Bühne sehen will. Von ganz jung bis älter tanzen nun alle gemeinsam zur Musik. Rock for Children heisst nicht, dass speziell Kinder an die Konzerte kommen sollen. Vielmehr handelt es sich dabei um einen Spendenanlass, mit dessen Erlös die Krebsliga Aargau unterstützt und so insbesondere krebskranken Kindern geholfen werden soll. Der Anlass fand zum zweiten Mal statt, die Künstler verzichteten zugunsten der Krebsliga auf ihre Gagen.

Adrian Stern spielt zuerst einige ruhige Songs, bei denen am Boden zu sitzen richtig gemütlich ist. Es sind Melodien, so überraschend und besonders, wie sie wohl nur Adrian Stern schreiben kann. Aber spätestens als Special Guest Sina loslegt, hat sich das Aufstehen definitiv gelohnt. „Die Sängerin het nois Läbä i miis Läbä proocht“, wendet Adrian Stern eine seiner Songzeilen auf Sina an. Die beiden scheinen sich blendend zu verstehen, werden der gegenseitigen Komplimente nicht müde. Und extra für Sina hat Adrian Stern auch Walliserdeutsch geübt, um passende Backings singen zu können. Sina gibt derweil mit ihrer Nase ein Saxophonsolo zum Besten. Schliesslich singen die zwei ein Duett, singen „schniju tüät’s ja nid“ oder eben „schneie tuet‘s jo nöd“. Der Song sei nicht ganz saisongerecht, gibt Sina zu – aber in diesem August würde uns Schnee doch ehrlich gesagt auch nicht mehr wundern. 
Heiss geht’s hingegen mit der Musik weiter, nun dreht Adrian Stern auf. Als er sein erstes Album aufnahm, habe er eine „verdammte Rock-CD“ machen wollen, erzählt er. Und zeigt gleich, wie das damals geklungen hat – inklusive Sprung vom Schlagzeugpodest beim letzten Akkord. Die Stimmung steigt im Saal, die jungen Mädchen und Frauen in den ersten Reihen tanzen immer ausgelassener. Schlagzeuger Matthias Kräutli stimmt ein paar Zeilen von Bruno Mars‘ „Marry you“ an. Das Set geht rockig weiter, wird zur (fast zu grossen) Show – die Texte bleiben etwas kitschig. Am Ende fühle ich mich fast erschlagen von so viel rosa Brille und Zuckerwatte. Aber alles verpackt in einen natürlich wunderschönen Dialekt: Ein Heimspiel war es für den Badener Sänger, der immer wieder feine, lokale Bezüge in die Songzeilen einwebt: Er singt vom Schwimmen in der Limmat oder Spaziergängen in Baden. Und einen solchen nehmen wir nach dem Konzert auch in Angriff und lassen die Melodien in unseren Ohren nachklingen.