aeschti

Openair Bellaluna 2009

Uns zwei aus dem Aargau zieht es in das Bündnerland… Die Anreise dauert lange, soll sich aber lohnen. Wir parkieren das Auto neben einem Kieshaufen und besteigen den Shuttlebus – übrigens, der Chauffeur weckt die Vorfreude auf die Tatsache, dass es im Bünderland schöne Männer gibt *g*. Neben dem Openair Gelände befindet sich ein lauschiges Waldstück mit einigen Lichtungen, auf einer stellen wir unser Zelt auf und stossen auf die nächsten zwei Tage an.

Das Openair Bella Luna findet zum zweiten Mal statt, besonders beim Zeltplatz macht sich dies bemerkbar, es gibt keine WC, geschweige den eine Waschstation oder sogar ein Abfallkonzept. Die meisten Besucherinnen und Besucher wissen wie damit umzugehen und organisieren sich, leider gibt es eben auch die anderen, welche klare Regeln und Abschrankungen brauchen… Und wenn ich schon beim kritisieren bin, das Openair sagt von sich, es sei Rollstuhl gängig, wo bitte schön bleibt das Behinderten WC?
Aber nun zu der Musik, den Freitagabend eröffnen AndaRojo mit englischem, romanischem und spanischem Alternativ Rock aus der Schweiz.
Und wiedermal stehen sie vor mir, Lockstoff aus dem Aargau, sie rocken los und das Zelt vor der Bühne füllt sich langsam aber sicher. Arme werden geschwenkt und in den vorderen Reihen wird fleissig mitgesungen. Zu meiner Freude hat Thomas wiedermal ein kurzes Shirt an – eine wahre Augenweide *g*. Yauuuu fegt wie ein Tornado durch das Albulatal und lässt die kalte Bergluft vergessen.

Philipp Fankhauser der unbekannte bekannte Bluesmusiker aus Thun steht als nächstes auf der Bühne. Das Konzert ist für die Augen und die Ohren ein Genuss. Hendrix Ackle tanzt mit den Tasten und raucht dabei gemütlich eine Zigarette um die andere, Richard Cousins zupft den Bass und flirtet dabei mit allen Zuhörerinnen – barfuss natürlich. Tosho Yakkatokuo schwingt die Stöcke und legt somit den perfekten Boden. Marco Jencarelli unterstützt Fankhauser an der Gitarre – was vor allem zu Konzertbeginn wichtig ist, eine Saite von Philipp sagt bye bye und muss ersetzt werden. Leider sind einige Leute unter dem Zeltdach, welche sich lieber die neusten Tratsch und Klatsch Geschichten erzählen, daher gehen einige Feinheiten der Musik im Publikumslärmpegel verloren. Ich für meinen Teil setze Fankhauser auf meine Club Konzert Liste für den Herbst und freue mich auf einen gemütlichen Abend – vermutlich im Moonwalker.

Den Abschluss vom Freitag liefert Gölä mit seinen Mann und den zwei hüpfenden Background Damen. Leute, es tut mir leid, aber ich kann diesen Mann nicht ernst nehmen, Gölä ab CD und am singen ist ok, aber sobald er seinen Mund aufmacht und irgendwelche gesellschaftliche Themen anspricht wird mir übel, nicht wegen den Aussagen, mehr wegen der Wortwahl. Nichts desto trotz geniesse ich das Konzert, heute Abend steht oder sitzt ein Unbekannter im Mittelpunkt. Anstelle von Walter Keiser – der einen Töffunfall hatte – bearbeitet Stefan Gfeller das Schlagzeug. Wunderbar, unschlagbar der geniale Beatbox als Start zum Sexy Song.

Paul Camilleri mit seinem Blues Rock eröffnet den Samstag. Mehrmals werde ich angesprochen, wer dieser Mann auf der Bühne sei – Gratis Tipp von mir, Paul investier ein paar Franken und häng eine Blache mit deinem Bandnamen auf *g*. Vor ein paar Stunden waren sie noch Vorband von REM, nun stehen sie vor ein paar hundert Leuten am Bella Luna.

Myron aus Basel präsentieren uns ihre Radiomusik. Musikalisch haut mich die Band nicht um – doch die Ansagen und Kommentare zwischen den Songs, sind Motivation genug um vor der Bühne stehen zu bleiben. Überhaupt, Manu Gut hat das Publikum im Griff, mehrmals steigt er ab der Bühne und spaziert – dank Funkmikrofon – über das ganze Gelände. Bei „Say You Want Me“ tanzt und singt das ganze Zelt mit. Eine Frage die mich bei jedem Konzert beschäftigt… Sind Myron ICF Mitglieder?

Weiter geht es mit Coal – auch bei ihm fehlt die Blache – Leute welche während dem Konzert vor die Bühne spazieren haben keine Ahnung wer oben steht… Wie schon in Emmen, Coal und Band überzeugen musikalisch und individuell, sind aber in meinen Augen keine Openair Band. Was vor allem fehlt ist jemand, der zwischen den Songs mit dem Publikum redet, nur mit der Musik lässt sich an einem Openair keine Beziehung zwischen Bühne und Zuhörenden herstellen. Kleine Episode welche in meinen Augen das Können darstellt: Coal reisst mitten im Song eine Saite, im Gegensatz zu Fankhauser – welcher die Gitarre an seinen Roadie weitergibt – wechselt Coal die Saite während dem singen selber, Chapeau!

Nun reservieren wir uns die besten Plätze in der vordersten Reihe, schliesslich wird bald Sina vor uns stehen – übrigens die einzige Frau welche am Bella Luna 2008 auf der Bühne steht – und uns zusammen mit ihren Mannen in den Bann ziehen. Wir werden nicht enttäuscht, Sina ist in Hochform und sehr präsent. Wir natürlich auch – tschuldigung für die Zwischenrufe *g*. Beim Solo von Pele können wir uns nicht mehr halten, es wird getanzt und natürlich gekreischt *PelePelePele*. Die Ehre von Sina wird durch die flotten Herren neben und hinter uns gerettet *SinaSinaSina*. Ja es macht Spass, schnell trennen wir uns von einigen Kleidungsstücken, welche wir – danke Sabrina – an den Rollstuhl hängen. Das Konzert ist viel zu schnell vorbei, ich könnte stundenlang mit Sina in den Westen reisen, diheimu ankommen, zu 7 Minute tanzen… Pele und Michi beim musizieren zuschauen, Orlando zu Höchsleistungen antreiben oder ganz einfach die Seele zu den Melodien treiben lassen…
Für mich war dies eines der besten Sina Konzerte welches ich je erlebt habe – ich habe genügend Energie getankt um in den zwei Wochen Bundeslager davon zu leben *g*. Ich bin mir bewusst, nach einem Sina Konzert als Band zu überzeugen ist schwierig…

Aber, was Bündnerflaisch bieten ist einfach nur Bierzelt – Stammtisch Groove, die Musiker geben alles, aber der Sänger ist total neben den Schuhen, seine Sprüche sind schlichtweg nur doof, den Text verstehen wir nicht und das Publikum schreit nach Sina… Wenn über 30 jährige Männer mit einem Tanga auf dem Kopf auf der Bühne stehen und Frauenfeindliche Sprüche klopfen kommt mir das Grauen… Liebe Herren von Bündnerflaisch, ich empfehle euch, sucht einen neuen Sänger oder schickt ihn in einen Kommunikationskurs ansonsten werdet ihr ewig im Abseits stehen. Ich für meinen Teil ziehe ein positives Festival Fazit und werde gerne wieder kommen…

Band: Famous October