Gustav im Nouveau Monde in Fribourg

Ganz neue Welten hat Gustav im Nouveau Monde nicht erfunden. Aber alte mit Texten und Melodien in neues Licht gerückt.

Der schwarze Vorhang hinter der Bühne ist blau-weiss-rot beleuchtet. Am Beginn des Konzerts steht eine Looper-Einlage, während der Gustav Schlagzeug und Gitarre erklingen lässt und dazu mit seiner Stimme Schafe, Hühner und Krähen imitiert. Sie alle stehen neben dem «Thujahaag», der dem Programm seinen Namen gibt. Anschliessend ruft der Sänger zu einer Schweigeminute im Gedenken an die Pariser Opfer auf. Wenn die Welt sein Bücherregal wäre, erläutert er darauf poetisch, wäre sie friedlicher. Da stehe Kriegsliteratur neben Nichtraucher-Ratgebern, Pornografisches neben Klassikern, alle glücklich vereint.

Sein Bücherregal ist Teil einer der «Gschöchte», die der Sensler an diesem Abend vorliest. Sein Songtextkorsett müsse er zwischendurch ablegen und anderes schreiben, erläutert er. Die Geschichten seien alle fast so passiert, wie er sie erzähle. Dazwischen spricht er von seinem Projekt, für das er verschiedene Schulen besucht. Er versuche jeweils, Toleranz zu schaffen für diejenigen, die nicht «luege» sondern «gugge», nicht «ufe» sondern «vui» sagen.

Zwischen den eher dunkel und negativ anmutenden Geschichten über nervige Campingferien oder unnötige Satin-Kissen auf dem Sofa bringen Songs etwas Licht in die Dunkelheit. So etwa «Looking for freedom» in einer 6/8tel-Countryversion, «Lundi Matin» oder «Bout du monde». Dass ihm für die Songs ein «Pläggli», ein Plektrum fehlt, hätte man nicht gemerkt. Erst als er bei der Zugabe zugibt, während des ganzen Konzerts eines gesucht zu haben, fällt es auf. Eine Zuschauerin bringt ihm denn auch prompt eines auf die Bühne und Gustav spielt damit sein «lötschtes Lied» und entlässt uns auf den Weg «heem».