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Pegasus am Zytsprung in Leibstadt

Das letzte Wochenende im Oktober – wir stellen die Uhren auf Winterzeit um. Der Zytsprung ist eine dieser unzähligen Turnhallenparties, bei welchen die Schuhe am Boden kleben bleiben. Die ganze Jugend der Region ist vereint im verschlafenen Dorf am Rhein, denn die Guggemusig Seifesüder schenkt dem Partyvolk eine zusätzliche Partystunde. Die Halle ist vielleicht halbvoll, Alkohol fliesst reichlich, die Leute kennen sich, es wird viel geredet.

Kurz vor Konzertbeginn hält sich die Mehrheit der Anwesenden an den Bars auf. Die Herausforderung für die Bands besteht offensichtlich darin, Teenager, Sponsoren, VIPs und Seifesüder vor die Bühne zu locken oder zumindest zum Zuhören zu bringen. Pegasus startet mit Vollgas, doch die Wucht von der Bühne lässt die Trinkenden und Quatschenden kalt. Die Aufforderung nach vorne zu kommen, wurde ignoriert. „Listen to the Music“ nützt nur wenig, die Leute sind nur schwierig zu motivieren, die Tanzbeine vielleicht noch zu nüchtern. Ich geniesse die gute Musik von Pegasus trotzdem. Die Qualität der Musik begeistert mich, den Rest des Publikums eher nicht so recht.
Die Stimmung schwappt erst beim Blues auf das Publikum über. Und beim letzten Song füllt sich das Loch zwischen der ersten Reihe und dem Mischpult dann doch etwas besser.

Dass Ritschi ein guter Entertainer ist, das habe ich schon häufig miterlebt. Doch für diesen Abend hätte ich ihm nur einen kleinen Kredit gegeben. Die quatschende in eine mitmachende Menge zu verwandeln scheint mir unmöglich. Doch es gibt die interessierten Leute, welche vor die Bühne strömen und sich scheu zu Ritschi’s Musik bewegen. Ich selber verschiebe mich vom Platz neben dem Mischpult wegen des hohen Geschwätz-Lärmpegels und begebe mich mehr Richtung Bühne, wo sich diejenigen Leute befinden, welche auch wirklich wegen der Konzerte da sind. Es kommen immer mehr dazu und ich bin überrascht, dass Ritschi das Volk zum Singen, Klatschen und Tanzen bringt. Ja, „mängisch bruucht’s wenig, dass öppis so chunnt oder so“. Natürlich hätte der Platz in Bühnennähe noch besser gefüllt werden können und natürlich zählt dieses Ritschi-Konzert nicht zu den besten, aber Ritschi hat einmal mehr bewiesen, dass er aus jedem Publikum etwas rausholen kann.
Seine Beat-Box-Einlage kommt sehr gut an, bei vielen Songs wird mitgesungen und mitgemacht. Sogar ein Gang wird durch die Mitte des Publikums gezogen, damit die beiden Hälften ausloten können, wer lauter singt. Die Band löst ihre schwierige Aufgabe gut. Gegen Ende des Konzertes habe ich jedoch den Eindruck, dass die Künstler froh sind, dass das Konzert bald fertig ist. Es hat wohl sehr viel Kraft gekostet und so gelingt auch nicht mehr alles. Aber morgen können sich die meisten Leute sowieso nicht mehr an die vergangene Partynacht erinnern.

Noch bevor die Party zur geschenkten Stunde kommt, verlasse ich die Leibstadter Turnhalle. Ich habe wohl einige Gläser zu wenig getrunken und passe überhaupt nicht zum Rest des Partyvolkes.

Band: Pegasus