Anna Känzig & Tobey Lucas im Müligarten (Mühle Hunziken)

Gelb – türkis – grün. Die Stühle und Tischchen im Müligarten strahlen in allen Farben, und genauso bunt und das Gemüt erheiternd wird das Konzert von Anna Känzig & Tobey Lucas mit Violinist Hong Yip werden.

Als die Tore zum Müligarten öffnen, steht Anna Känzig mit einem Violinisten noch zum Soundcheck auf der Bühne. Um sie herum die typische Müli-Einrichtung: Schilder, Figuren, Fundstücke aller Art, der Bart-Simpson-Brunnen, ein Hirsch mit Sturzhelm an der Fassade. Ich wundere mich über das dritte Mikrophon und darüber, dass ich den im Programm angekündigten Tobey Lucas doch eigentlich anders in Erinnerung hatte. Das wird sich später noch klären.

Die Stühle im Müligarten füllen sich nach und nach, und mit kurzer Verspätung beginnt das Konzert. Die Band ist unterdessen zu dritt, zum Violinisten Hong Yip ist der zuvor vermisste Tobey Lucas dazugekommen. Seine Gitarre umhüllt mit der Violine Anna Känzigs wunderbare Stimme, die sich in die kühle Sommerabendluft mischt. Die Sängerin strahlt auf der Bühne, sie scherzt mit den beiden andern Musikern, erzählt Geschichten zu ihren Songs. Wie haben solche Abende in den letzten Monaten doch gefehlt! Es sei ihr erstes Konzert seit Langem, erzählt Anna Känzig. Untätig waren sie nicht in dieser Zeit: So spielen sie neben bekannten Songs auch viele neue Stücke vom bald erscheinenden Album. Die beiden Stimmen von Tobey Lucas und Anna Känzig harmonieren wunderbar – und wenn grad keine Violinenbegleitung gefragt ist, singt auch Hong Yip mit. Dann ist die Gitarre das einzige Begleitinstrument.

Dass diese Gitarre der Grund für die Verspätung ist, erfahren wir nach einigen Songs: Seine Gitarre habe sich in ihrem Koffer selber zerstört, erzählt Tobey Lucas. Genickbruch, unspielbar. Zum Glück wusste Allrounder Tom Rat und hat kurzerhand eine Ersatzgitarre organisiert. Der Mann ist ein Alleskönner: Während dem Konzert mischt er mit seinem iPad den Sound, in der Pause repariert er nebenbei die Kaffeemaschine an der Bar. Und das Konzert hat er mit seiner kurzfristig aufgetriebenen Gitarre auch gerettet. Dem Abend kann nicht etwas anhaben: Selbst als kurz vor Schluss die Batterie der geliehenen Gitarre leer ist, zaubert Hong Yip eine neue aus seiner Tasche und das Konzert kann weitergehen. Bis zum letzten Ton umhüllt uns diese Musik, die gerade nirgendwo besser hinpasst als in diesen Müligarten, zum plätschernden Brunnen und den letzten Sonnenstrahlen. Die grossen Festivals mögen fehlen diesen Sommer, aber solche Abende sind definitiv ein würdiger Ersatz für mein Konzertgängerinnenherz.